Neurosen
Belastungs- und somatoforme Störungen

Definition /
Ursache /
Beschreibung
Störungen, die durch psychische Verarbeitung von Erlebnissen verursacht sind. Sie beruhen auf unbewusste Verarbeitung chronischer (dauerhafter) innerseelischer Konflikte.
Heute wird der Begriff "Neurose" nur noch selten verwendet und ist aus dem diagnostischen ICD-10-Klassifikationssystem weitgehend verschwunden. Die einzelnen neurotischen Störungen werden heute nach den Leitsymptomen und Verlaufscharakteristika kategorisiert, also z.B. phobische Störungen unter Angsterkrankungen.
In der Bevölkerung haben "Neurosen" einen eher abwertenden Beigeschmack, insbesondere was die "hysterische Neurose" angeht. Die Häufigkeit in der Bevölkerung kann nur schwer geschätzt werden, da die Zahlen davon abhängen, was man als neurotisch definiert und was innerhalb einer Gesellschaft als "normal" definiert wird.


Symptome Bei phobischen Störungen steht Angst im Vordergrund.
Zwangsstörungen
: Zwangsgedanken, Zwangshandlungen.
Posttraumatische Belastungsstörung: Unbewusstes Wiedererleben einer angstauslösenden Situation, die in der Vergangenheit stattgefunden hatte.
Dissoziative Störungen: Psychische Störungen werden in körperliche Symptome konvertiert, die im übertragenen Sinne die psychischen Störungen widerspiegeln (z.B. psychogene Lähmung eines Beines; traut sich nicht, von zu Hause fortzugehen). Früher: hysterische Neurose.
Somatoforme Störungen: Erleben körperlicher Störungen, die keine reale Grundlage haben (organisch gesund).
Hypochondrische Störungen: Unrealistische Gewissheit oder Befürchtungen, Krankheiten zu haben, obwohl organisch gesund. Viele andere neurotische Störungen, die unter anderem von S. Freud modellhaft beschrieben wurden.


Diagnostik Ausführliche psychiatrische Untersuchung, Exploration und Anamneseerhebung (Vorgeschichte).


Therapie Die klassischen Neurosen waren immer die Domäne der Psychoanalyse, wobei sie heute mit anderen tiefenpsychologische orientierten Therapien oder sogar Verhaltenstherapie behandelt werden können. Die Psychoanalyse hat unter anderem das Ziel, "alte innerseelische Konflikte" aufzudecken und bewusst zu machen. Die Idee ist, dass wenn sie erst einmal bewusst sind, muss keine Abwehrstrategie (= Symptome der Neurose) mehr ausgeübt werden. Die Psychoanalyse der älteren Schulen ist auf Jahre angelegt. Die Behandlung der Neurosen (auch wenn sich die Begriffe gewandelt haben) bleibt auch bei Anwendung der wesentlich kürzeren Verhaltenstherapie meist langwierig. Nur in Einzelfällen wird man medikamentöse Unterstützung benötigen. Besonders problematisch ist die Verordnung suchtauslösender Substanzen (Angstlösende Mittel = Anxiolytika, insbesondere aus der Reihe der Benzodiazepine; Beruhigungsmittel; Schlafmittel).


(Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Dr. Peter Scherer)